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Eigenheim-Experiment

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54-57_Artikel_Außenwände aus Infraleichtbeton dämmen ein Einfamilienhaus in Bayern und bieten eine ansprechende Optik außen wie innen 

Für sein eigenes Einfamilienhaus in Aiterbach in Bayern suchte der Architekt Michael Thalmair einen Hochleistungsbaustoff, der Tragfähigkeit, Nachhaltigkeit, gute Dämmwerte und eine ansprechende Sichtbetonoptik vereint. Er entschied sich für Infraleichtbeton, der für die Außenwände des Obergeschosses in ­einer Stärke von 50 Zentimetern eingesetzt wurde. Das in den Hang des Grundstücks eingebundene Untergeschoss wurde konventionell aus Stahlbeton errichtet. Zusammen mit dem darüberliegenden Wohnriegel erscheint das Haus wie ein Monolith, der dennoch gut mit der ländlichen Umgebung harmoniert.

In die Hausplanung hat der Architekt viel Energie investiert, denn die Verwendung von Infraleichtbeton, der umgangssprachlich auch Dämmbeton genannt wird, erfordert neben der richtigen Zusammensetzung und viel Erfahrung vor allem eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE). Thalmair wandte sich deshalb gemeinsam mit der Baufirma Adldinger an Heidelberger Beton und dessen Prüfstellenleiter Björn Callsen. Außerdem wurden die Experten des Instituts für Werkstoffe des Bauwesens der Universität der Bundeswehr München einbezogen. Professor Karl-Christian Thienel, Leiter des Instituts: „Die Entwicklung einer robusten Rezeptur war sehr komplex; viele Laborversuche waren dafür notwendig.“ Das Gemisch war anfangs nicht stabil. Außerdem betrug die Fahrzeit vom Transportbetonwerk zur ­Baustelle fast 90 Minuten, weshalb eine ausreichend lange Verarbeitbarkeit sichergestellt sein musste. Und weil das Trennmittel großen Einfluss auf die Oberflächeneigenschaften hat, testete man im Labor und mit Probekörpern in Originalwandhöhe von vier Metern so lange, bis die geeignete Mischung gefunden war.

Der letztendlich eingesetzte Infraleichtbeton besitzt eine Rohdichte von nur 700 kg/m³ bei54-57_Artikel_2 einer Druckfestigkeit von >8 N/mm². Die Einbaukonsistenz hatte ein Verdichtungsmaß von C4. Um eine niedrige Wärmeleitfähigkeit von Lambda <0,185 W/mK zu erzielen, wurden ein Blähglasgemisch (Liaver), Blähton (Liapor) sowie ein fein abgestimmtes System aus Zusatzmitteln und Zusatzstoffen und ein spezielles Zement- und Bindemittel­gemisch zugesetzt. Damit gelang es den Experten, die Rezeptur auf die zu erwartende Hydratationswärmeentwicklung in den 50 Zentimeter starken Wänden abzustimmen. Zusätzlich wurde der Frischbeton durch Zugabe von Scherbeneis gekühlt.

Das aus Infraleichtbeton erstellte Gebäude ist buchstäblich aus einem Guss. Dadurch entstehen im Sichtbeton kaum ­Fugen. Wegen der geringen Trockenrohdichte unterhalb 800 kg/m3 und des hohen Porengehalts ist die Wärmedämmung hoch und außerdem ist das Material voll recyclingfähig. Auch die Baukosten in Höhe von etwa 400.000 Euro (KG 300 + 400) blieben aus Sicht des Architekten im Rahmen. www.betonmarketing.de

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